Universität KonstanzExzellenzcluster: Kulturelle Grundlagen von Integration

Ähnlich statt anders

27. September 2012

Plakatausschnitt

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Gerade wenn es um Fragen der Integration geht, unterscheiden Politiker wie Medien gerne pauschal zwischen den Mitgliedern der eigenen und der anderen Kultur. Anil Bhatti, einer der bekanntesten Germanisten Indiens, schlägt eine neue Perspektive vor: Ähnlichkeit. Die Tagung „After Postcolonialism. Similarities in an Entangled World“, organisiert von Mitgliedern des Exzellenzclusters „Kulturelle Grundlagen von Integration“, stellt die Facetten des Konzepts „Ähnlichkeit“ vom 4. bis 6. Oktober im Konstanzer Kulturzentrum Wessenberg der Öffentlichkeit vor.

Was geschieht, wenn zwei – oder mehrere – verschiedene Kulturen aufeinanderstoßen? Um die Erfahrung interkultureller Begegnung ausloten zu können, gingen Kulturwissenschaftler lange von der Vorstellung kultureller Identität beziehungsweise Differenz als deren Gegenteil aus. Wer nicht der eigenen Kultur angehört, wird im Kulturkontakt erst einmal als andersartig aufgefasst oder zum „anderen gemacht“, selbst wenn als Ziel kulturelle Grenzen überwunden werden sollen.

Die Logik des „Eigenen – Anderen“ hält Anil Bhatti den Gegebenheiten einer globalisierten Welt nicht mehr für angemessen. Stattdessen will er den Blick auf Situationen oder Haltungen richten, die auf Ähnlichkeit bauen. Können sich die Mitglieder verschiedener Kulturen nicht auch einfach nur „anähneln“, sich ähnlich werden ohne gleich identisch werden zu müssen?

In der Tagung „After Postcolonialism. Similarities in an Entangled World“ untersuchen Wissenschaftler aus Afrika, Asien, Europa, Nord- und Südamerika Schauplätze, Praktiken und Konzepte, die mit Ähnlichkeit operieren: Ulrike Kistner, die an der University of South Africa in Pretoria lehrt, spricht über die Frage: Wie funktionieren Ähnlichkeiten und wie werden sie produziert? Und der deutsch-türkische Soziologe Levent Tezcan entwirft eine neue Art der „Welterfahrung“, die nicht mehr als „Einheit in Verschiedenheit“ zu fassen ist. Und Prof. Dr. Andreas Langenohl von der Universität Gießen zieht Analogien zu den demokratischen Praktiken der Wahl, wobei ihm die Schweizer Abstimmung über das Minarettverbot ein brisantes Praxisbeispiel liefert.

Zur Tagung laden neben Anil Bhatti die Tübinger Germanisten Dorothee Kimmich und Jürgen Wertheimer, der Konstanzer Literaturwissenschaftler Albrecht Koschorke und Rudolf Schlögl, Ordinarius der Neueren Geschichte an der Universität Konstanz, ein. Gefördert wird die Veranstaltung von der Fritz-Thyssen-Stiftung und dem Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ der Universität Konstanz.


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