Universität KonstanzExzellenzcluster: Kulturelle Grundlagen von Integration

Zu Gast bei Juden

8. April 2017

Plakat

Leben in der mittelalterlichen Stadt

Sonderausstellung des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg (ALM) in Konstanz
8. April–29. Oktober 2017

Eröffnung: Do, 6. April 2017

Jüdisches Leben am Bodensee

Wer im späten Mittelalter die Städte am Bodensee besuchte, traf wie selbstverständlich im bunten Trubel auch auf deren jüdische Bewohner. Über 250 Jahre lang, von etwa 1200 bis etwa 1450, waren jüdische Familien Teil der städtischen Kultur des Mittelalters. Die Juden pflegten Beziehungen zu Klerikern, Rittern und Kaufleuten, betrieben theologische Studien und waren kosmopolitisch vernetzt bis nach Frankreich, Italien und Böhmen. Die städtische Kultur des Mittelalters am Bodensee war – in dieser Hinsicht der Gegenwart recht ähnlich – von einem multireligiösen und multikulturellen Alltag geprägt.

Ab dem Beginn des 14. Jahrhunderts unterbrachen brutale Verfolgungswellen immer wieder das Zusammenleben. Schließlich beendete die Vertreibung der Juden aus den Städten im 15. Jahrhundert die gemeinsame Kultur, und das jüdische Erbe wurde weitgehend zerstört. Durch diese gezielte Vernichtung ist die gemeinsame Geschichte fast vergessen. Falsche Vorstellungen haben sich unter Juden wie Nichtjuden über diese Epoche ausgebreitet. Anders als angenommen lebten die Juden am Bodensee zum Beispiel keineswegs in Ghettos, sondern oft im Zentrum der Städte und hatten christliche Nachbarn.

Die Ausstellung

Die Erforschung der bedeutenden Kulturregion Bodensee fand bisher nahezu ohne Berücksichtigung ihrer jüdischen Anteile statt. Die Sonderschau hingegen präsentiert das gemeinsame kulturelle Erbe von Juden und Christen im erweiterten Bodenseegebiet im Rahmen des Programms zum „Jahr der Religionen“ der Konstanzer Konzilsfeierlichkeiten 2017.

Damit soll der jüdische Aspekt dieser Kulturen zum einen in der Kulturgeschichte des Bodenseeraumes und zum anderen in der Geschichte der Juden in Europa verankert werden. Dafür wurde die Forschung zusammengetragen und die wenigen und zerstreuten Spuren des jüdischen Erbes gesichert. Viele der raren Zeugnisse sind bisher schlecht erforscht. Gemeinsam mit Studierenden der Universität Konstanz hat die Professorin für die Geschichte der Religionen, Prof. Dr. Dorothea Weltecke, diese Hinterlassenschaften intensiv untersucht und stellt nun erstmals die neuen Forschungsergebnisse vor.

Die Exponate

Neben Medieninstallationen zeigt die Ausstellung prunkvolle Exponate wie hebräische Prachthandschriften, die in Konstanz oder in benachbarten Städten hergestellt wurden. Aber auch stille Zeugen jüdischen Lebens sind zu sehen, deren Bedeutung sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Dazu gehören neben Gebrauchshandschriften, Urkunden und Siegeln weitere Gegenstände, die mit jüdischem Leben in Verbindung stehen.

Im Zentrum der Ausstellung befindet sich die Nachbildung einer mittelalterlichen jüdischen Züricher Wohnstube. Bild- und Schriftquellen sowie materielle Überreste werden als Spurenlese erfahrbar und vermitteln einen Eindruck vom Miteinander und von der wiederkehrenden Gewalt in der Welt der Bodenseestädte.

Es werden kostbare Leihgaben präsentiert, die sich heute in Oxford, Budapest, Darmstadt, Hamburg, München, Zürich und an weiteren Orten befinden. Sie wurden bisher nie zusammen gezeigt und kehren nun zum ersten Mal zum Ort ihrer Entstehung zurück.

Die Ausstellung ist zweisprachig Deutsch/Englisch. Es erscheint ein Begleitband zum Preis von 19,80 EUR.

8. April–29. Oktober 2017
Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg, Benediktinerplatz 5, Konstanz

Öffnungszeiten

Di–So u. feiertags 10–18 Uhr, Mo geschlossen

Eintrittspreise

Einzeleintritt 7/erm. 5 EUR,
Kinder (6–18 J.) 1 EUR, Familien 14 EUR

Informationen zum umfangreichen Begleitprogramm unter Tel. 075319804-43 oder muspaed[at]konstanz.alm-bw.de.

Eine gemeinsame Ausstellung des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg (ALM) und des Exzellenzclusters „Kulturelle Grundlagen von Integration“ der Universität Konstanz unter Schirmherrschaft von Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.


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